Offenburg schneidet bei DUH-Hitzecheck schlecht ab – Fraktionen wollen Abhilfe schaffen
Rat debattiert über Hitzeschutz
In einer von der Grünen-Fraktion beantragten Aktuellen Stunde hat sich der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mit dem Thema Hitzeschutz befasst. Anlass war der bundesweit diskutierte Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe (DUH), in dem Offenburg schlecht abgeschnitten hat.
Annette Steinhausen (Grüne) kritisierte, dass deutsche Städte schlecht auf den Klimawandel vorbereitet seien. Besonders problematisch in Offenburg sei der sogenannte Beschirmungsgrad – also der Anteil der durch Bäume beschatten Flächen, der den Richtwert der Umwelthilfe von 30 Prozent klar verfehlt.
Sie forderte einen „Baumturbo" mit 1.000 Neupflanzungen jährlich, mehr Entsiegelungsmaßnahmen und besserem Schutz für vulnerable Gruppen. Die Landesgartenschau und der Sportpark Süd, die beide mit vielen Baumpflanzungen einhergehen, wirkten lediglich am Stadtrand, aber nicht in der belasteten Innenstadt. Silke Moschitz und Wolfram Reinhard ordneten die Studie aus Verwaltungssicht ein: Generell decke sich die Einschätzung, dass Hitze ein zunehmendes Problem sei mit der Bewertung der DUH. Die eigene Stadtklimaanalyse zeige eine Zunahme an Sommertagen, heißen Tagen und Tropennächten. Gleichzeitig sei die KI-gestützte Analyse der DHU ohne echte Ortskenntnis entstanden. So seien bei der Beschirmung beispielsweise auch Bahnanlagen und der Gifiz-See als unbeschirmte Flächen bewertet worden. Und: Da nur rund 30 Prozent der relevanten Flächen städtisch seien, brauche es auch privates Engagement bei der Bekämpfung von Hitzefolgen.
Studie als Anstoß
Der Sprecher der CDU/FDP-Fraktion, Werner Maier, erklärte, er verstehe die Studie als Anstoß, neue Maßnahmen zu prüfen. Landesgartenschau, Sportpark Süd und Bahnhofsareal stellten große Verbesserungen dar. Potenzial berge das Thema Fassadenbegrünung. Neue Bäume bräuchten Jahrzehnte, bis sie ihre Wirkung entfalten.
Angi Morstadt (FWO) warnte vor Schwarzmalerei: Die Studie ignoriere die vielen Nachpflanzungen der vergangenen Jahre. Offenburg sei auch heute schon grün und lebenswert. Taras Maygutiak (AfD) äußerte, dass er das Thema Bäume in Offenburg nicht als vernachlässigt wahrnehme. Er kritisierte die Flächenverdichtung in Innenstadtlagen, die eine Vorgabe der Landesregierung gewesen sei, und sprach sich gegen einen seiner Sicht überzogenen Alarmismus aus. Das Klima lasse sich nicht ändern, aber die Vorsorge. Er plädierte für Klimaanlagen in Schulen, Kliniken und Altenheimen.
Martina Bregler (SPD) sah in der Studie eine Momentaufnahme; Baumverluste beklagten alle Kommunen, auch Kiel, das ganz vorne abschloss. Eine Baumschutzsatzung könne helfen, ältere Bäume zu erhalten. Die Stadt habe beispielsweise mit der Stadtklimaanalyse wichtige Grundlagen geschaffen. Für vulnerable Gruppen regte sie ein Hitzetelefon an. Silvano Zampolli (FBO) mahnte, dass man aus vergangenen Fehlern lernen müsse. Die Antworten auf die Frage, warum in der Vergangenheit so viel abgeholzt worden sei, seien nicht befriedigend gewesen. Bei Pflanzungen sei die Beschattung maßgeblich, nicht allein die regionale Herkunft, wie die Kugelahorne am Rée-Carré zeigten. Sarah Wiedmann (Die Linke) befand, dass die Innenstadt auf Hitzekarten einer Wüste gleiche und forderte konsequentes Entsiegeln und Pflanzen. Unternehmen müsse man notfalls zur Mitwirkung verpflichten.
In der anschließenden Diskussion warnte Gerhard Schröder (SPD), der Klimawandel sei technisch nicht lösbar. Junge Bäume litten heute sofort unter Hitzestress und Schädlingen. Martin Ockenfuß (Grüne) nannte den von den Grünen vorgeschlagenen „Baumturbo" eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
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