Maßnahmen bei Ameisenbefall

 
Ameisen sind zwar klein und werden oft übersehen, erfüllen jedoch eine bedeutende Funktion im Ökosystem. Sie verbreiten Pflanzensamen, fördern die Durchmischung des Bodens und unterstützen den Abbau organischer Substanzen. Seit einigen Jahren breitet sich jedoch eine ursprünglich aus Afrika stammende Ameisenart in unserer Region aus, die für ihre sogenannten Superkolonien bekannt ist. Diese Art gelangt meist über die Wurzelballen importierter Pflanzen aus Südeuropa nach Mitteleuropa. Die Große Drüsenameise (Tapinoma magnum) bildet ein weit verzweigtes Netzwerk von Nestern innerhalb einer Kolonie, das aus Hunderttausenden bis Millionen von Arbeiterinnen und fortpflanzungsfähigen Königinnen besteht. Aufgrund dieser Struktur ist eine Bekämpfung sehr schwierig. Nach aktuellem Wissensstand gilt eine vollständige Ausrottung als nahezu unmöglich. Aus diesem Grund wird seit Anfang dieses Jahres im Rahmen eines zweijährigen Forschungsprojekts der Naturkundemuseen Stuttgart und Karlsruhe die Ausbreitung und das Verhalten dieser Art untersucht. Die Große Drüsenameise stellt zwar keine unmittelbare Gefahr für den Menschen dar, kann jedoch durch ihre unterirdischen Aktivitäten erhebliche Schäden an der Infrastruktur verursachen.
 
Ausführliche Informationen und typische Erkennungsmerkmale finden Sie unter folgendem Link Ameisen-Alarm! Tapinoma magnum – wenn kleine Insekten große Probleme machen
 
Handlungsempfehlungen
Verständigen Sie bei entsprechenden Sichtungen die zuständige Abteilung Grünflächen und Umweltschutz, Telefon 0781-82-2332 oder per Mail Sekretariat.FB5@offenburg.de. Ein Mitarbeiter der Technischen Betriebe kann die invasive Art bestimmen. Im Zweifelsfall werden Ameisen an die oben genannten Naturkundemuseen versendet. 
 
Bitte bekämpfen Sie die Ameisen erst, wenn es sich zweifelsfrei um die invasive Ameisenart Tapinoma magnum handelt, damit die Populationen heimischer Ameisen nicht unnötig geschädigt werden.
 
Vom Abflammen wird ausdrücklich abgeraten, da die Nester, die sich bis zu einem Meter tief im Boden befinden können, auf diese Weise nicht erreicht werden. Zudem besteht die Gefahr, dass unbeabsichtigt Brände entstehen.
 
Da die Superkolonien aufgrund ihrer Größe und Struktur so gut wie nicht vollständig eliminiert werden können, liegt der Fokus darauf, die Ausbreitung einzudämmen. Hierzu gibt es folgende Mittel:
 
  • Heißwassermethode
    Im öffentlichen Raum setzt die Stadt Offenburg die Heißwassermethode ein. Dabei wird mithilfe einer speziellen Lanze heißes Wasser möglichst tief in das Erdreich eingebracht. Feine Düsen ermöglichen einen seitlichen Austritt des Wassers, wodurch die weitverzweigten Gänge beschädigt und die Brutstätten nachhaltig beeinträchtigt werden, um den Bestand zu reduzieren. 
 
  • Kieselgur
    Kieselgur ist ein natürlicher Wirkstoff, der aus versteinerten Kieselalgen besteht und den Insekten Feuchtigkeit entzieht, wodurch diese austrocknen. Das Produkt sollte trocken gelagert und ausgebracht werden. Die Anwendung eignet sich insbesondere für Innenräume und überdachte Bereiche. Während Trockenperioden kann Kieselgur auch im Garten eingesetzt werden. Es wird empfohlen, Kieselgur in größeren Mengen gezielt in die Gänge sowie auf die Ameisenstraßen einzubringen und nicht lediglich in kleinen Mengen zu verstreuen. Kieselgur ist beispielsweise im Heimtierbedarf erhältlich. Bei der Verwendung sind die Herstellerangaben zu beachten.
 
  • Frei verkäufliche Mittel gegen Ameisenbefall
    Die verfügbaren Pestizide können bei unsachgemäßer Anwendung gesundheitsschädlich sein und die Umwelt erheblich belasten. Im privaten Bereich ist eine vollständige Beseitigung bereits etablierter Super-Kolonien mit diesen Mitteln nicht möglich. Im Außenbereich besteht zudem die Gefahr, dass auch nützliche Insektenarten geschädigt und das Grundwasser verunreinigt werden. Der Einsatz von Pestiziden wird daher nicht empfohlen und sollte ausschließlich durch eine Fachfirma für Schädlingsbekämpfung erfolgen.
 
  • Abstimmen mit der Nachbarschaft
    Die Bekämpfung der Art Tapinoma magnum erfordert gemeinsames Handeln, da die Kolonien sehr groß werden können und die Ameisen flexibel auf Störungen reagieren, indem sie ihre Zugänge innerhalb weniger Stunden verlagern. Wird die Art auf Privatgrundstücken festgestellt, ist es daher sinnvoll, sich mit den Nachbarn abzustimmen und Maßnahmen zur Eindämmung gemeinsam zu koordinieren. Nach einem Nachweis wird um eine Meldung an die Stadt gebeten, damit die Fundorte kartiert und bei Bedarf Maßnahmen im öffentlichen Raum eingeleitet werden können.
 
Vorbeugende Maßnahmen
Tapinoma magnum wurde bereits vor vielen Jahren eingeschleppt. Die Ausbreitung erfolgt häufig über importierte Pflanzen, in deren Wurzelballen sich abgelegte Eier oder die Tiere selbst befinden. Achten Sie daher vor dem Kauf einer Pflanze auf den Topf und Wurzelballen.