Es ist Aufgabe der Stadt, nachhaltig die Biodiversität in Offenburg zu fördern. Was heißt das konkret? Es geht unter anderem darum, die heimische Pflanzenvielfalt zu erhöhen und damit Lebensraum und Futterquellen für die entsprechenden Tiere zu schaffen.
Vegetationsflächen können durch Biotopelemente wie Lesesteinhaufen, Totholz oder offene Bodenstellen bereichert werden. Zum Leben braucht es aber nicht nur Futter, sondern auch Brut- und Überwinterungsstätten. Die Blauschwarze Holzbiene etwa bevorzugt Pflanzen aus der Familie der Lippenblütler wie Wiesensalbei oder Muskatellersalbei, benötigt aber für ihre Nachkommen morsches Holz, in das sie Nistgänge nagen kann.
Im Herbst 2024 realisieren die Stadtverwaltung und die Technischen Betriebe Offenburg (TBO) an verschiedenen Standorten die Umwandlung von bestehenden Grünflächen in naturnahe Grünflächen. Hiervon profitiert nicht nur die Bevölkerung, sondern auch die Insektenwelt.
Magerstandorte
Magerstandorte mit hoher Vielfalt von heimischen Pflanzen von etwa 1.200 Quadratmetern entstehen in der Freiburger Straße auf Höhe des E-Werks Mittelbaden und am Kreisel in der Badstraße. Vor der Einsaat wird der Boden durch Aufbringen und Einarbeiten von Kiessand abgemagert. „Denn umso nährstoffärmer der Standort ist, desto mehr heimische Blütenpflanzen gedeihen dort. Wir können das an unseren gedüngten Wiesen erkennen, die bis auf wenige Blumen wie Löwenzahn und Hahnenfuß vorwiegend aus Gräsern bestehen und nur zur Blütezeit des Löwenzahns Farbe zeigen, ansonsten für die Insekten wenig Nektar und Pollen bieten“, so Stefanie Birk, Projektleiterin Freiraumplanung.
Bevor es blüht, müssen die Flächen vorbereitet werden. Am Kreisel Badstraße werden die abgestorbenen Buchshecken samt Kiesrollierung entfernt. Die Buchspflanzen haben den Befall von Zünsler und Pilz nicht überlebt. Im Zuge dessen wurde die auf dem Kreisel befindende Skulptur des Bildhauers CW Loth restauriert.
Über die Wintermonate werden sich die Standorte "eher traurig" präsentieren, befürchtet Birk: "Das Saatgut benötigt jetzt erstmal Zeit zum Keimen und um sich dann zu blühfähigen Pflanzen zu entwickeln." Im Frühjahr zeigen sich vor allem die Einjährigen wie Klatschmohn und die Kornblume in Rot und Blau. „In den Folgejahren entwickeln sich dann die heimischen Trockenkünstler wie Wiesensalbei, Saat-Esparsette und Karthäuser-Nelke“, erklärt Birk.
Auch im Mühlbachaeral bereiteten Mitarbeiter*innen der TBO eine ehemalige Rasenfläche zur Einsaat vor. Mit den Mädchen und Jungen der Kindertagesstätte „Am Ölberg“ wurde zusammen mit dem Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord und der Stadtverwaltung anschließend eine Blumenwiese beim Spinnerei-Spielplatz von rund 350 Quadratmetern eingesät. Naturpark-Projektmanagerin Lilli Wahli zeigte sich sehr erfreut über die Aussaataktion in Offenburg: „Mit unserem Projekt ‚Blühender Naturpark‘ möchten wir den Naturpark blumenbunt machen und die Menschen für die Bedeutung unserer heimischen Insekten sensibilisieren.“ Über fünf Hektar heimische Blumenwiesen sind inzwischen auf Flächen der Kernstadt entstanden.
Mahdtermine
Wiesen müssen in der Regel ein bis zwei Mal jährlich gemäht werden. Die Mahdtermine sind zur Heuernte und zur Öhmdernte, also etwa im Juni und im September. Bei besonders fetten Standorten, also nährstoffreichen Wiesen, kann ein dritter Schnitt notwendig sein. An geeigneten Flächen bleibt ein Teil stehen und wird erst bei der Folgemahd gemäht. So haben die Insekten weiterhin Futter und einen Rückzugsort. Da Wiesenflächen für manche Betrachter*innen wild und ungepflegt aussehen, werden die Ränder regelmäßig mit dem Rasenmäher bearbeitet. Die sogenannten Akzeptanzstreifen sorgen dafür, dass Wege- und Straßen nicht durch überhängende Pflanzen beengt werden.
Über 560 Bienenarten
In Deutschland gibt es über 560 Arten von Bienen. Die Honigbiene ist nur eine davon. Alle anderen sind Wildbienen, darunter rund 30 Hummelarten. Über die Hälfte zählen zu den gefährdeten Arten. Etwa 150 Arten ernähren sich nur von einer einzigen Blütenart. Schon deshalb ist die Artenvielfalt auch bei den Wildblumen wichtig. Bienen brauchen eine gesunde, durchmischte Natur – dann sind sie selbst gesund. Vielerorts ist die Artenvielfalt bei den Wildblumen durch intensive Landwirtschaft und intensive Pflege von Grünflächen stark zurückgegangen. Dies wirkt sich auch auf die Vielfalt von wilden Insekten wie Wildbienen, Hummeln, Faltern, Schmetterlingen und sogar Feldvögeln aus.
Mehr Lebensqualität
Naturnahe und vernetzte Grünräume sorgen für ein besseres Stadtklima und steigern die Lebensqualität. Die Stadtverwaltung arbeitet intensiv daran, weitere grüne Lebensräume zu schaffen. Um auch nicht-öffentliche Flächen für artenreiches Grün zu gewinnen, fördert die Stadt seit Anfang Oktober 2020 die Entsiegelung von befestigten Flächen für Eigentümer*innen und Eigentümergemeinschaften der Stadt Offenburg. Bezuschusst wird die Entsiegelung von befestigten Flächen wie Innenhöfen, die Umwandlung von grauen Schotterflächen in bunte biodiverse Vorgärten, sowie die Begrünung von Dächern und Fassaden. Unterstützt wird auch beim Anlegen einer Blumenwiese.